Aus der Geschichte des GV Liederkranz 1844 Offenbach/Queich

Im Juni 1994 feierte der Männergesangverein Liederkranz Offenbach sein 150jähriges Bestehen.Die hier aufgeführten Informationen sind aus der Festschrift "150 Jahre GV Liederkranz Offenbach" entnommen:

Der Gesangverein Liederkranz darf auf eine stolze Vergangenheit zurückblicken. Wenn wir uns die geistigen Spannungen jener Zeit, das Sehnen und Streben vieler Deutschen nach politischer Einheit, nach Freiheit und Mitwirkung im staatlichen Leben vergegenwärtigen, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass nicht nur Freude am Gesang, sondern auch vaterländische Gedanken bei der Gründung mit Pate standen. Erster Vorsitzender und zugleich Dirigent war Lehrer Vögeli. Mit welchem Ernst und großem Eifer er seine Aufgabe umsetzte, beweisen die Protokolle jener Zeit. So wurde jede Woche, Donnerstags und Samstags Singstunden abgehalten. In der Sitzung vom 21. März 1845 wurden die ersten Statuten beschlossen, die zum Teil heute noch Gültigkeit haben.

Am 7. März 1848 fand am Faschingsdienstag der erste musikalische Auftritt des Liederkranzes im Saal "Zum Löwen" statt. Die Klavierstücke spielte Herr Nebinger, Lehrer in Böchingen, mit großer Fertigkeit und zum großen Vergnügen der Zuhörer. Die Chorvorträge wurden mit viel Beifall belohnt. Aus der Veranstaltung ergab sich eine Reineinahme von 17 Gulden und 54 Kreuzern. In den Vorstandssitzungen vom 22. und 28. November 1848 wurde beschlossen, für die Hinterbliebenen des erschossenen Freiheitskämpfers Robert Blum, 5 Gulden zu spenden. Der Beitrag wurde mit freudigem Herzen gegeben - und der Mord des edlen deutschen Mannes tief verabscheut. In der selben Sache führten Vereinsmitglieder unter den Bürgern eine Sammlung durch, die 28 Gulden und 6 Kreuzer erbrachten. Ein Teil des Geldes sollte Zur Errichtung eines Monumentes zum Andenken des Mäetyrers verwendet werden, damit unsere Nachkommen noch sehen mögen wie die lebende Generation ihre Volksmänner zu ehren und zu schätzen wußte.

Durch den Wegzug des Vorstandes und Dirigenten Lehrer Ph. Vögeli nach Kandel, konnten bis November1850 keine Singstunden abgehalten werden. Mit der Besetzung der Lehrstelle durch Herrn Lehrer Kern wurde die Chorarbeit wieder aufgenommen. Der Liederkranz trat zunächst nur als Kirchenchor auf. Daher konnten in dieser Zeit nur Protestanten aktive Sänger werden.
Aus der Tatsache, daß am 09. März 1853 die Rechnungen für die Jahre 1850,51, und 52 abgehört wurden, ist zu schließen, daß es in jener Zeit recht ruhig um den Verein war. Auch in den Jahren danach lassen sich aus den Protokollen keine besonderen Aktivitäten erkennen. m Jahre 1859 wurde auf Betreiben des Pfarrers Stepp und etlichen 40 Mitgliedern im hiesigen protestantischen Schulhaus der Männergesangverein zu neuem Leben erweckt. Auf der Generalversammlung wurde der Wunsch ausgesprochen, Herrn Pfarrer Stepp als den Gründer des Vereines bei allen Beratungen und Versammlungen zu Rate zu ziehen. Bei der 50-Jahrfeier im Jahre 1909 wurde deshalb irrtümlicherweise das Jahr 1859 als Gründungsjahr angenommen.

Der Kauf der ersten Vereinsfahne erfolgte im Jahre 1861 zum Preis von 72 Gulden und 41 Kreuzern. Finanziert wurde sie durch Spenden der Mitglieder.

Das erste Konzert fand am 11. Juni 1863 im Gasthaus "Zur Traube" statt. Im Anschluß daran wurde der erste Vereinsball abgehalten. Der Eintrittspreis für Nichtmitglieder wurde beim Konzert auf 12 Kreutzer bestimmt. Da der Kassenvorrat zur Bestreitung der Kosten des Balls nicht ausreichte, wurde der Eintrittspreis auf 36 Kreuzer für jeden Eintretenden festgesetzt, da für die Bestreitung der Kosten nichts aus der Kasse genommen werden durfte.

In dieser Zeit zählte der Verein 37 aktive und 86 passive Mitglieder, sowie 5 Ehrenmitglieder. Lehrer Kern leitete den Chor bis 1889. Ihm folgten als Dirigenten die Lehrer Kirschner, Bräuning, Flohr, Krebs und Runck, von 1904 bis 1912 der Offenbacher Musiker Jakob Messemer und bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges Herr Engelhard, ein Mitglied der Kapelle des 23. Infanterie-Regiments. Nach dem Krieg wurde Lehrer Schumacher als Dirigent verpflichtet. Von1921 bis 1938 übernahm Hermann Stubenbord aus Rohrbach den Verein.

Infolge der Inflation im Jahre 1922 sah sich der Verein gezwungen die Mitgliedsbeiträge in Form von Naturalien zu erheben. Chorleiter Stubenbord erhielt in diesem Jahr für seine Tätigkeit 4 Zentner Korn und 2 Zentner Weizen. Der damalige Vereinsdiener Jakob Gillmann wurde mit 0,6 Zentner Weizen sowie einem Zentner Korn entlohnt. (Unter der Einnahmeseite im Kassenbuch vom Februar 1922 stehen als Erlös für 1 Zentner Korn 45.000 Mark)

Aus dem vorigen Jahrhundert liegen, außer den bereits erwähnten Protokollen über das Vereinsleben, wenig Aufzeichnungen vor. Die Sänger besuchten zweimal, zeitweise dreimal wöchentlich die Singstunden, übten für das Jahreskonzert, pflegten Geselligkeit - wozu der Vereinsball gehörte -, besuchten Sängerfeste, sangen verstorbenen Mitgliedern einen letzten Gruß und verschönten an kirchlichen Festen den Gottesdienst mit einem dem Tage angemessenen Chorlied.

Bis zum Jahre 1887 war der jeweilige Chorleiter auch gleichzeitig Vorsitzender des Vereins.In diesem Jahr wurde das Amt des Vorsitzenden und des Dirigenten erstmals nicht mehr von einer Person begleitet. Vorsitzender wurde Heinrich Hoppe. Ihm folge im Jahre 1891 Johann Jakob Lind und 1901 Karl Guth.

Friedrich Schaurer, der Großvater des heutigen Vorsitzenden Fritz Schaurer, führte den Verein von 1905 bis 1924. Er wurde von August Lösch abgelöst. Von 1934 bis 1939 übernahm Emil Schaurer die Führung des Vereins. Aus politischen Gründen beschränkte man sich in dieser Zeit auf vereinsinterne Veranstaltungen.
Der 2. Weltkrieg setzte der Tätigkeit des Liederkranzes wieder ein Ende.

Dem Aufruf zur Wiedergründung folgen am 23. Februar 1948 sechzig Männer, nachdem die Herren August Vongerichten (wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt) , Ludwig Schäfer  (zweiter Vorsitzender )und Walter Braun (Schriftführer) die Genehmigung zur Generalversammlung bei der Militärregierung eingeholt hatten.

Am 24. Februar 1950 gab August Vongerichten seinen Vorsitz an den früheren "Liederkranzchef" Emil Schaurer ab. Im Jahre 1951 löste Helmut Stürtz den ChorleiterA.Reinhardt von seinem Dirigentenposten ab.

Höhepunkt im Vereinsleben waren 1909 das 50jährige, 1929 das 70jährige und 1934 das 75 jährige Stiftungsfest. Ersteres wurde unter Beteiligung zahlreicher Vereine in großem Rahmen mit Festkonzert, Festumzug, Fahnenweihe und Chorsingen der geladenen Vereine gefeiert. Das 70jährige Jubiläum verlief in ähnlicher Weise. In einem Festgottesdienst erfolgte die Weihe einer Fahnenschleife für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Das 110jährige Bestehen des Vereines feierte man am 29. und 30. Mai 1954. Ursprünglich sollten die Veranstaltungen auf der Festwiese im Wald stattfinden. Da das Wetter leider nicht mitspielte, mußten die Feierlichkeiten in die Turnhalle verlegt werden. Am Sonntagnachmittag fand ein Festumzug mit 19 teilnehmenden Gesdangvereinen statt.

Konzerte, Vereinsbälle und zahlreiche Auftritte bei Festveranstaltungen bestimmten das weitere Vereinsleben der großen Liederkranzfamilie.
Im Jahre 1956 zählte der Verein 30 Aktive, 113 Passive und 5 Ehrenmitglieder.

Bei der Generalversammlung am 15. März 1958 gab es einen Führungswechsel. Vorsitzender Emil Schaurer wie auch sein Stellvertreter Karl Seither stellten ihre Ämter zur Verfügung. Bei der Neuwahl wurde Willi Blattmann, der Schwieger- sohn von Emil Schaurer, erster Vorsitzender. Den Posten des "Vize" übernahm Alfred Messerschmitt. Am 15. Juni 1958 wurde der Gesangverein Liederkranz für über 100jährige Verdienste um die Pflege des Chorgesangs mit der "Zelterplakette" ausgezeichnet.

Im Jahre 1964 feierte der Gesangverein sein 120jähriges Bestehen. Über 30 Gastvereine gaben sich in der Queichgemeinde ein Stelldichein. Die Festlichkeiten endeten mit einem großen Bunten Abend.

Am 18. März 1968 wurde Liederkranzvorsitzender Willi Blattmann, der sein Amt zur Verfügung stellte, von Fritz Schaurer abgelöst. Das Jahr 1968 war eines der erfolgreichsten in der Geschichte unseres Gesangvereines. So wurden beim Südwestfunk in der Sendung "Chöre des Landes" verschiedene Chorwerke übertragen. Beim Prädikatssingen in Wörth konnte die Bewertung "hervorragend" ersungen werden, was gleichzeitig die Tagesbestleistung bedeutete. Für diesen Erfolg waren über 70 Singstunden im Jahr erforderlich.

Das 125jährige Jubiläum wurde 1969 in einem würdigen Rahmen gefeiert.

In der Generalversammlung am 26.2.1972 übernahm Robert Gillmann den Posten des zweiten Vorsitzenden von Alfred Messerschmitt. Emil Defiebre löste 1974 den Schriftführer und Rechner Werner Winter ab, der dieses Amt 21 Jahre gewissenhaft ausübte. Zu einem außergewöhnlichen Geburtstagsständchen trafen sich die Sänger am 23. September1977. Unser ältestes Vereinsmitglied Frau Katharina Braun wurde an diesem Tag 110 Jahre alt.

Am 19. und 20. Mai 1979 feierte der Liederkranz sein 135jähriges Gründungsfest. Eine Veranstaltung am Sonntagnachmittag stand unter dem Motto: "Offenbach singt und musiziert" und kam bei den vielen Besuchern bestens an. Im März 1981 gab der Chor in der vollbesetzten Turnhalle ein eindruckvolles Konzert. Dabei wurden die Aktiven Emil Schaurer und August Vongerichten für 60jährige Sängertätigkeit mit dem Ehrendiplom des Deutschen Sängerbundes ausgezeichnet. Helmut Stürtz erhielt für 30 Jahre Chorleitertätigkeit die Goldene Ehrennadel des Pfälzischen Sängerbundes.

Die Gemeinde Offenbach feierte 1984 ihr 1200jähriges Bestehen. Der Liederkranz beteiligte sich an dem einmaligen Ereignis und hatte im Anwesen des Vorsitzenden Fritz Schaurer eine "Sängerburg" eingerichtet. Diese Festtage sind vielen noch in bester Erinnerung. Aus gesundheitlichen Gründen mußte in diesem Jahr, beim 140jährigen Bestehen, Helmut Stürtz nach 34jähriger Tätigkeit als Dirigent vom Liederkranzchor Abschied nehmen. Aufgrund seiner Verdienste um den Chor wurde er am 21. April 1985 zum Ehrenchorleiter ernannt. Frank Montillon übernahm 1984 die Dirigententätigkeit, die er bereits ein Jahr später aus beruflichen Gründen wieder aufgeben mußte.

Im Februar 1985 übernahm Werner Gillmann den Posten des zweiten Vorsitzenden. Seiner Initiative verdankt der Liederkranz sein 1. Schlachtfest, welches bereits im März 1985 stattfand. Am Pfingstmontag im gleichen Jahr wurde die erste "Liederkranzradtour" durchgeführt. Beide Veranstaltungen sind bis zum heutigen Tag feste Bestandteile im Vereinsleben.

Zu einem wichtigen Tag für den Liederkranz wurde der 1. Oktober 1985, als der 26jährige Musikstudent Norbert Zwick die Chorleitung übernahm. Mit feiner musikalischer Begabung und pädagogischem Geschick führte er den Chor zu sehr ansprechenden Leistungen. Hierbei ist zu erwähnen, daß Norbert Zwick in seiner 10jährigen Tätigkeit nahezu 100.000 Kilometer zu den Chorproben und sonstigen Veranstaltungen zurücklegen mußte.

Auf Beschluß der Generalversammlung vom 14. Januar 1987 wurde der GV Liederkranz ins Vereinsregister eingetragen. Im Rahmen eines Chorkonzertes im November 1987 wurde das Ehepaar Marie und Otto Föhr, wegen besonderer Verdienste, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Familie Föhr sorgte seit 1953 für das leibliche Wohl der Sänger im Vereinslokal "Zum kühlen Krug".

Vom 2. bis 4. Juni 1989 feierte der Liederkranz sein 145jähriges Jubiläum, das wieder glanzvoll verlief und viele Sangesfreunde nach Offenbach anzog. Unser Ehrenvorsitzender Emil Schaurer wurde für 70 Jahre aktive Sängertätigkeit besonders geehrt. Bürgermeister Seefeldt verlieh ihm die Goldene Ehrennadel der Gemeinde. Zum Abschluß der Jubiläumsfeier fand ein Wettbewerb für "nichtsingende" Vereine statt.

Seit 1992 sorgt der Liederkranz für das leibliche Wohl der Gäste beim Bähnlerfest in Offenbach. Hierdurch wurde der finanzielle Grundstock für die Anschaffung einer einheitlichen Sängerkleidung zur 150-Jahrfeier gelegt.

Im Jubiläumsjahr bestand der Verein aus 47 Sängern, 202 passiven Mitgliedern und 5 Ehrenmitgliedern.

Fortsetzung folgt........................................ . . . .

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